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Aus der Serie: Frag Mr. Muff

“Was bedeutet diese ominöse Zahl 82 auf dem Koffer von Harry oder ist es der von Larry dem Ausserirdischen?”, fragt Violet Z. aus O.

Herrliche Frage. Danke, ich freue mich, dass jemand mein Angebot, Fragen jedwelcher Art zu beantworten, nutzt. Denn mein Wahlspruch lautet ja: Mr. Muff weiss wie das Leben geht.

So, jetzt genug geplaudert. Der Koffer gehört Harry und ist ein sehr schickes Exemplar, er hatte ihn von seinem Grossvater väterlicherseits geerbt. Der bekleidete in der Regierung einen hohen Posten und reiste täglich mehrere Stunden mit dem Zug, seine Akten immer griffbereit. Soweit so gut.

Eines Tages dann das Ereignis auf der Strecke Bielefeld-Münster: Einer zog die Handbremse wegen eines seltenen Schmetterlings, der vor dem Fenster flatterte (ja, damals flogen die Insekten noch genau so schnell wie die Lokomotive dampfte), die Koffer purzelten durcheinander und alle im Abteil bemerkten innert Sekunden verblüfft, dass sich die meisten Koffer unheimlich ähnlich sahen und keiner mehr erkennen konnte, welcher wem gehörte. Da unglücklicherweise die meisten auch noch sorgfältig verschlossen waren, probierten sie ihre Schlüssel in diesem heillosen Durcheinander an diversen in Frage kommenden Objekten aus, die unverschlossenen wurden sofort geöffnet…. Es kam zu äusserst peinlichen Momenten. Ein puterrot angelaufener, untersetzter Herr entriss seinem unmittelbaren Nachbarn einen Koffer, in dem sich ein fliessendes, seidenes Nichts in Raubtieroptik und eine rosa Brille mit Federumrandung befand. Tot stellen nützte in diesem Moment wohl nichts… Woanders entwich ein unangenehmer Duft nach überreifem korsischem Ziegenkäse und durchtränkte schwallweise den Raum… einer soll sogar Banknoten in Bündeln gesehen haben… naja, wahrscheinlich wieder so eine Räuberpistole… und so schwor sich Harrys Grossvater, seinen Koffer in Zukunft zu markieren.

Um es kurz zu machen: Er entschied sich gegen die Initialen-Variante im herkömmlichen Sinne, verschlüsselte das Ganze numerisch. Und musste nie mehr seinen Koffer suchen. Der Herr mit der unbändigen, haltlosen Liebe zu seltenem Flattergetier wusste sich für den ungewöhnlichen Stopp der Wissenschaft wegen zu verantworten und sein Name fand trotzdem Einzug in die Liste der Personae non gratae des Transportunternehmens. Streng waren die damals, keine Frage.

Eine etwas traurige Geschichte, oder? Die Schmetterlinge, die ich während der Zugfahrt sehe, sind auch selten, brauchen meist aber leider keine Reanimation oder Artenbestimmung mehr… Da fällt mir ein… lebt Waldtraut die bengalische Flattermotte noch?

Beste Grüsse, Mr. Muff.