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Roswitha packt ihre Koffer

imageFrüher, als Roswitha noch auf dem Land wohnte, da war alles anders. Beschaulicher, irgendwie und seit einiger Zeit jedoch zunehmend hektisch. Oft kam Besuch auf den Hof, vor allem, seit ihr Bauer, der Franz, sich mit innovativ und kreativ im Internet beschrieb und wie viele andere Kollegen nun nicht nur ayurvedische Fellmassagen, Chorgesänge beim Melken und etwas seltsam riechendes, biologisch und gentechnisch unbedenkliches, also kurz einwandfreies Kuhfutter anbot, sondern auch noch das: Rent a Kuh.

Unbedarfte Städter durften sich sowohl finanziell als auch praktisch um “ihre” Kuh kümmern. Roswitha ist im Besitz von wunderschönen, brauen Kuhaugen. Ihr Fell glänzt wunderbar seiden, ihr Charakter lässt auch nichts zu wünschen übrig, was zur Folge hatte, dass alle ihre neuen Kümmerer sein wollten und sie also einiges über sich ergehen lassen musste. Ausritte mit quiekenden Kindern auf dem Rücken, selbstgehäkelte, regenbogenfarbene Deckchen für den Winter für alle möglichen und nicht möglichen Stellen ihres Körpers, Tragen von einem rosa Halfter mit Seidenblümchen, Wettmuhen mit anderen Kühen um Geld, KuhArt (ein Künstler färbte ihr grosse schwarze und gelbe Karos ins Fell und lichtete sie dann unzählige Male ab, was ihr nicht unangenehm war) und irgendwann kam einer auf die Idee, ihre etwas gelblichen Zähne mit einer Markenzahnpasta zu schrubben. Menthol! Wenn Roswitha etwas nicht leiden mag, dann das: Menthol.

An diesem Tag beschloss Roswitha, ihre Koffer zu packen. Ayurvedische Massagen hin oder her. Und so fand ich sie am Bahnhof, wartend auf den nächsten Zug nach nirgendwo…

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Gebeutelte Beutel

Habt ihr schon mal ein Beuteltier mit Heuschnupfen gesehen? Gibt es doch gar nicht. Dachte ich auch… Ich wusste nicht, dass diese Gattung irgendetwas in die Richtung bekommen kann… Mirabelle Beuteltier, Foto fehlt aus selbsterklärendem Anlass, ist offenbar starke Allergikerin.

Es sieht alles in allem ziemlich furchtbar aus, was sie da einmal im Jahr für mehrere Wochen heim sucht. Man kann, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht genau sagen, wo der untere Beutel aufhört und ob da oben, da, genau da, wo sonst eigentlich das Gesicht sein sollte, nicht auch noch versehentlich von der Natur ein paar Beutel zuviel dazu gepackt wurden. Wenn man sie heute das erste Mal sehen würde, würde man sie wohl fotografieren und als neue Tierart verscherbeln wollen.

Kurz, Mirabelle leidet. Das ist nicht zu übersehen. Auch alle Desensibilisierungsmassnahmen schlugen bis dato fehl, es scheint nicht ganz einfach zu sein, ein Beuteltier mit so einer gewaltigen Allergie zu therapieren. Auch ich bin etwas überfordert, ich weiss aktuell kaum in welche Falte ich wann gerade welche Tropfen, wo wieviel Salbe und an welcher Stelle ich jetzt genau schon was von all dem Zeug appliziert habe… ein Nebeneffekt der Pillchen, Wässerchen und Pülverchen scheint zu sein, dass sie halluzinogen wirken. Oder seid ihr schon mal einer Haibiene begegnet? Mirabelle hat heute eine gesehen ( mit Verlaub - GESEHEN - was auch immer die Ärmste aus ihren verquollenen Sehschlitzen noch zu erhaschen glaubte…) und sogleich erkannt… so selten sei dieses Insekt, meinte die unglücklich gebeutelte. Ahhhh, ja klaaar, sage ich beschwichtigend und hole schon mal meinen Käscher. Natürlich nur als Schutz für Mirabelle, falls die mal wieder auftaucht, diese Haibiene…

Also ich bin ja immer noch bekennender Fan des Frühlings - obwohl der, wie es scheint, für manche mindestens zwei Seiten hat. Sommer! Beeile dich!

Herzliche Grüsse, Peerina von Wimperklimper 

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Eins, zwei, tausend?

Haustier fragt:

“Wenn man davon ausgeht, dass überall wo man länger gelebt hat, ein Stück seiner selbst zurück bleibt, in welcher Form auch immer… wie viele Teile besitzt man dann aktuell noch von sich selbst? Und können diese, nennen wir sie Fragmente, alleine überleben?” 

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…und ewig rufet die Wurst…

Auch dieses Jahr, wie natürlich jedes vorangegangene, feiern die Hasepasen den Tag der Wurst. Etwas Aussergewöhnliches sollte es 2013 für ihr Clublokal sein, ein ganz besonderes Ambiente… Deshalb, seht selbst, haben sie dem Künstler Herrn Fleisch (der heisst wirklich so) die Gestaltung eines ihrer Festräume überlassen… Er hat es “Wurstbühne” genannt. Und das zu recht oder was meint ihr? Hier kann man getrost feiern und vergisst auch nach 28 Feigenschnäpsen nicht, warum man das eigentlich tut.image

Ich wünsche euch eine wunderbare Feier, liebe Langohrträger, ich werde mal am späteren Abend bei euch reinschauen! Bis später!

Herzlich, eure Peerina von Wimperklimper

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Ein Ständchen…

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… und der Beginn des zweiten Jahres Wimperklimperblog über Stoff mit Geschichte oder Geschichte(n) mit mehr oder weniger Stoff! Und nun ‘ran an die Torte! Wer möchte ein Stück?

Herzliche Grüsse,  Peerina von Wimperklimper

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Ohrenbetäubend

“Das ist ja ganz interessant, aber warum, zum Donner, nennen die denn das Hotel `Kasbrot´?”, brummt Hugh sT.offsaurier Rex, schüttelt den Kopf, lässt mich an der Türe stehen und schlurft zurück in sein Zimmer.

“Glasbox”, rufe ich ihm hinterher, “GLASBOX heisst das und es ist kein Hotel, sondern ein hübscher Laden in Bremen, da leben die jetzt, bis sie ein neues Zuhause gefunden haben und du könntest auch… umziehen?!” Aber der hört mich nicht mehr, wie könnte er auch, es ertönt schon wieder diese Schallplatte, zum tausendsten Mal, ich weiss nicht, wie oft ich schon von diesem grinsenden, ewig glücklichen, schmalzlockigen, singenden Haarteilträger geträumt habe, Schluchten habe ich ihn runterrutschen, ein Quentchen Rizinusöl trinken lassen und ihm, ich gebe es zu, eine schlimme Kehlkopfentzündung an den Hals gewünscht. Damit endlich mal Ruhe im Karton ist.

Aber Tonträger ist ja schliesslich Tonträger, da nützt es auch nichts, wenn man den Sänger totträumt und in der Lautstärke und Frequenz hätte mich wohl auch eine Sinfonie in Es-Dur zur Verzweiflung gebracht. So geht das einfach nicht weiter. Das kommt mir alles so bekannt vor… Hatte nicht Roger sT.offsaurus Rex auch so ein Faible für Musik? Sehr laute Orgelmusik? Vielleicht sollte ich mir einfach keine Saurier mehr als Mitbewohner in die Tierkiste holen… Entweder, dieser hier geht morgen zum Otorhinolaryngologen, lässt sich mal sein Gehör checken oder er zieht aus. Jawoll. Nach Bremen?

Vielleicht findet ihr ihn ja irgendwann da, es gibt eine Menge zu sehen, schaut mal vorbei! Es lohnt sich bestimmt! Glasbox, Ostertorsteinweg 100 in 28203 Bremen.

Bis bald, herzliche Grüsse, Peerina von Wimperklimper

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De Heiri und d’Paulette

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Wenn de Heiri und d’Paulette ganz ehrlich sind, händs scho beid e chli Bammel vor däm, was da de Summer uf si  zue cho wird. De Heiri, mit vollem Name Heinrich Maximilian Rau und d’ Paulette Allegorie sind sit mängem Jahr es Paar, sie händ sich bim Tanze känne glernt. D’Paulette cha tanze, dr Heinrich nid, git er aber bis zum hütige Tag nid zue. Macht jo nüt.

Beidi händ scho mängi Bergfahrt hinter sich und au mängsmal dur es tüüfs Tal müesse, bevor d’Kurve in ihrere persönliche Beziehigs-Statistik wieder nach rechts obe gschnällt isch…  Jetzt waget sie sich is nöchschte Level: Hürote. Em Heiri grauts richtig, wenn er a die flatternde, wisse Tube und a die obligati Kutsche mit allem drum und dra dänkt, wo sich d’Paulette so sehnlichscht wünscht…

D’Paulette het eher Bedänke, dass dr Heiri sin Junggselleabschied nid unbeschadet überstoht. Es git do so es paar Gschichte us sinere nid allzu ferne Jugend… Sie händ mit viel Rauch, unheimlich vil Schnaps z’tue und en retrogradi Amnesie het hie und da au no debi usegluegt…

Machets guet ihr zwei!

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Textile Zeitgeschichten

Feste Maschen. Als Material wäre Kaugummi nett, der Farbe wegen und weil es den unverwechselbar süssen Duft nach Kindheit mit einer kleinen Prise Holzschnipsel wegen fliegender Schaukel verströmen würde; der in mir zuverlässig dieses Schlaraffenlandgefühl auslöst. Aber materialtechnisch doch gänzlich ungeeignet für mein Projekt ist. Schade eigentlich.

Stricken müsste man sie, dachte ich zuerst, häkeln ist wohl aber besser, der Stabilität wegen. Oder doch stricken und danach filzen? Dann wird die aber so klein und ich möchte, dass sie gross wird, sehr gross. Vielleicht werde ich darin Schafe halten, auf einer hellblauen mit bunten Blumen verzierten Holzbank meine Hühner beim fröhlichen Flattern durch das Gemüsebeet beobachten…

Womit ich sie nicht nur einigermassen, sondern richtig stabil bekomme, darüber muss ich noch nachdenken; auch darüber, wie und womit ich dann, wenn sie da installiert ist, wo sie eben installiert sein wird, ihre wichtigste Funktion aktivieren kann.

Worüber ich spreche? Ahhh, eben erst zugeschaltet? Willkommen. Ich häkle gerade eine Zeitblase. Also, ich überlege mir, eine zu häkeln. Und bringe mich dabei wahrscheinlich so richtig in Schwierigkeiten. Ich sage nur: Kausalität, Raum-Zeit-Kontinuum, der Kaffee in der silbernen Espressomaschine läuft draussen über, während ich in diesem Garn-Gebilde stecke, denke, dass ich die Zeit aussen anhalten und innen ausdehnen könnte. Endlich alles erledigen, was sich so stapelt, drückt und zerrt, ich mich damit ohne Zeitverlust dahin bewegen könnte, wo ich mich schon lange melden und mal wieder blicken lassen sollte… Oder einfach mal stundenlang darin sitzen und nichts tun möchte.

Könnte aber durchaus sein, dass ich da eben auch nicht gemütlich auf einer Bank sitze, Kaffee trinke, den Hühnern zusehe, sondern vergeblich versuche, die Schnecken von meinen neu gesetzten Salatsprösslingen fern zu halten und von einem vermeintlich wichtigen Treffen zum nächsten hetze…. Wollte ich nicht auch noch Schafe haben? Ja, wollte ich. Und Schwedisch lernen. Von den anderen Dingen auf der Liste, die ich immer schon mal tun wollte, ganz zu schweigen. Dann bräuchte ich wohl über kurz oder lang eine Zeitblase in der Zeitblase…

Vielleicht trinke ich jetzt erst mal einen grossen Milchkaffee und denke nochmals gründlich darüber nach. Obwohl… mit Häkeln könnte ich ja schon mal beginnen, oder?

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Herr Scheufel

Wenn es ums Putzen geht, ist er ganz vorne mit dabei. Das glaubt ihr nicht? Ging mir am Anfang auch so. Und dann habe ich ihn den Putzlappen streicheln sehen.

Er spricht mit dem Besen, poliert nach jedem nassen Aufwischen den blauen Eimer und stellt die Utensilien danach ganz sanft wieder in die Ecke zu all den Pülverchen und Mittelchen, die ich da eher dekorativ stehen habe: Den Mister Totalallesglanz mit den etwas lichten Haaren, das Wischundwegscheuermittel und noch etwa zehn weitere von der Sorte, alle die totale Keim, Fett -und Staubfreiheit versprechend…

“Eigentlich totaler Quatsch”, meint er, “braucht man alles nicht”, sagt er und grinst. Er hat gut lachen. Diese muschelkalkartigen Verkrustungen bekommt er natürlich auch innerhalb von Sekunden bekämpft, der Staub scheint ihn entweder zu mögen oder nicht zu mögen - egal - der verflüchtigt sich, ohne auch nur von seinem Staubtuch gekitzelt zu werden. So scheint es.

Aufwachen, denke ich und versuche mich zu kneifen. Nur für den Fall, dass ich träume. Ist aber nicht so. Ein Wunderknabe. 

Und den stelle ich euch jetzt mal vor. Hier ist er: Herr Scheufel. Applaus!

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Balduin und Titus

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Balduin, das schottische Langnasenkamel, bekommt weit mehr Luft als bei Betrachtung seines grossen Zinkens anzunehmen ist. Soweit so gut.

Auf seiner bisher letzten Kreuzfahrt, beim Anstehen am Büffet, hat er zufälligerweise Titus kennengelernt.

Obwohl ein südafrikanischer Staubwurm und ein schottisches Langnasenkamel auch optisch nicht gerade viel gemein haben, haben sie sich doch ohne Worte und auf Anhieb verstanden.

Denn da stand er. Der grosse Topf. Dieser Duft!

Das Chili con carne war schuld. Es ging alles blitzschnell, ein gekonntes Ablenkungsmanöver von Titus und schon war der Topf gekapert, die Beute aufs hinterste Deck geschleppt. Schlemmen auf Wellen… Zumal die Aktion nicht wirklich unentdeckt blieb, war es ein Glück, dass die beiden sich erst am letzten Tag der Reise trafen.

An einer Chili con carne Fanseite arbeiten sie noch heute, zumindest gedanklich, das aber mindestens einmal wöchentlich, wenn sie zusammen Rezepte per Bildtelefon austauschen oder beide gleichzeitig kochen. Chili natürlich. Ist ja klar.

(Um dieses Bild zu realisieren, balanciert(e) Titus übrigens waghalsig auf einer Banane… unter uns, das Gleichgewicht zu halten, ist definitiv nicht eine seiner Stärken. Aber dafür kann der richtig gut kochen! Mädels - er ist noch zu haben!)